Ein "ganz normaler Tag" an der Lindenschule Wülfrath

Wie ist es, blind zu sein? Ballspielen mit verbundenen Augen

Zum ersten Mal führte die Lindenschule am 10.10.2013 mit Unterstützung der Weik-Stiftung den „ganz normalen Tag“ für ihre 10 Klassen durch.

Als die Lehrerinnen vor einigen Monaten die ersten Informationen zu diesem Projekt erhielten, war sofort das Interesse geweckt. Es wurde genauer geschaut, diskutiert und geplant. Denn sehr schnell stand fest: Wir wollen diese Veranstaltung realisieren.

  • Auf dem Weg zur inklusiven Schule und aufgrund unserer Absicht zu Toleranz und Akzeptanz zu erziehen sind wir offen für alle Menschen.
  • Die Elemente Gesundheit und Bewegung sind prägend für unsere unterrichtlichen Konzepte und werden durch dieses Projekt gefördert.
  • Durch Krankheit oder Unfall kann jeden von uns eine Beeinträchtigung treffen.

„Heute dürft ihr ausprobieren und erleben, wie Menschen mit einem Handicap zurecht kommen“, hatte Schulleiterin Marlies Leuth zu Beginn des Tages angekündigt. Die Unternehmer Elisabeth und Bernhard Weik haben vor Jahren eine Stiftung gegründet, mit der sie Veranstaltungen wie diese organisieren und finanzieren.  Zu dieser Idee kam es durch die Begegnung mit behinderten Sportlern bei den Paralympics 2004, erklärte Herr Widera den Kindern.

 „Ich fand den ganz normalen Tag sehr schön. Das Tandem fahren war lustig, weil wir die Augen verbunden hatten… Aber eins ist mir klar geworden, Leute mit Behinderungen haben es viel schwieriger als wir“, berichtete Jeanne (4a).

„Mir ist klar geworden, wie schwer es ist, ein Handicap  zu haben. Am meisten haben mich die Leute, die blind sind überrascht, weil sie so eigenständig sind“, überlegte Lilybell (4a).

„Blind zu sein wäre für mich ein Problem. Ich finde, behinderte Leute sollten respektiert werden, denn sie haben es viel schwerer als wir“, meinte Serhat (4a).

„Wenn ich diese Krankheit hätte, wäre ich sehr traurig, wenn mich jemand auslachen würde“, sagte Sydney (2c).

„Das mit dem Rollstuhl hat mir gefallen, aber nicht für mein ganzes Leben“, dachte Angelina (2c).

„Ich bin froh, dass ich gesund bin“, fasste Fatih (2c) seine Eindrücke zusammen.

Dies waren einige von zahlreichen Erfahrungen, die die 218 Grundschulkinder beim „ganz normalen Tag“ an 10 Stationen machten. Als „Übergewichtige“ mit Gewichtswesten und –manschetten treppauf laufen, an Gehhilfen (Krücken) Stufen überwinden, mit dem Rollstuhl fahren, mit dem Blindenstock den Weg finden, die Gebärdensprache der Gehörlosen und die Blindenschrift (Brailleschrift) kennen lernen oder mit Füßen einen Knoten binden, mit verbundenen Augen Ball spielen – die Übungen waren vielfältig. Manfred Rusch und Manfred Glasmacher führten vor, wie viele Hilfsmittel blinde Menschen haben um mit dem Zollstock zu messen, Uhren abzulesen, Mühle zu spielen, Farben oder Geldscheine und Münzen zu erkennen. Jedes Kind konnte seinen Namen in Brailleschrift geschrieben mit nach Hause nehmen.

Elisabeth Seidler stellte die Gebärdensprache vor. Anhand von Kurzfilmen und vielen eigenen Beispielen zeigte sie, wie die Kommunikation nur mit den Händen funktioniert.

Als Tandem-Piloten auf dem Fahrrad chauffierten Jo Ruppel, Werner Decker, Günther Kraus und Peter Hahnel  alle Kinder mit verbundenen Augen über den Schulhof.

 „Wie fahre ich mit dem Rollstuhl?“ Das wusste Elmar Widera. „Erst Bremse anziehen, dann reinsetzen. Bremse lösen, den Greifreifen oben anfassen und mit Schwung nach vorn schieben und dann rollen lassen.“  „Es hat Spaß gemacht mit dem Rollstuhl durch die Turnhalle zu fahren. Aber immer im Rollstuhl sitzen zu müssen, ist ganz schön hart!“ Das war die Meinung vieler Kinder.

 „Ihr seid jetzt alle blind“, sagte Peter Mecklenbeck, der die Station „Blindenstock“ leitete, zu den Kindern. „Immer den Stock am Boden halten und hin und her wedeln, um Widerstände zu erkennen.“

Knapp 50 Mütter, Väter oder Großeltern waren neben den Helfern der Weik-Stiftung und des ADFC im Dauereinsatz. Sie halfen an den Stationen oder am Verpflegungsstand, wo Obst und Gemüse geschnitten und Getränke ausgeschenkt wurden. Viele Übungen verlangten körperlichen Einsatz, deshalb freuten sich alle über die gesunde Stärkung.

Das Team der OGATA zauberte mittags mehr als 130 Mittagessen, so dass der Tag  beim gemütlichen Zusammensein mit den Helferinnen und Helfern ausklingen konnte.

Bernhard Weik, der für alle Teilnehmer T-Shirts stiftete und dem Förderverein pro Schulkind 5 € spendete, dankte allen Helfern für die erfolgreiche Mitwirkung.

Er ist vorbei – „ein ganz normaler Tag“. Viele wertvolle Erfahrungen begleiten uns und haben sicherlich bei uns allen bleibende Eindrücke hinterlassen. Alle, die dabei waren, sind mittags erschöpft nach Hause gegangen. Die Helfer der Weik-Stiftung, die Eltern und Kolleginnen und vor allem die Kinder gaben viele positive Rückmeldungen. Daher möchte die Lindenschule den „ganz normalen Tag“ ins Schulprogramm aufnehmen und im vierjährigen Rhythmus durchführen.
Die Lindenschule dankt allen, die sie bei der Planung und Durchführung so tatkräftig unterstützt hat.